12.09.2014 bis 07.11.2014
Ausstellung im Projektraum

Aufhören; Weitermachen                            Charlotte Posenenske (1930-1985)

Eröffnung: Donnerstag, 11.09.2014 um 18:00 h

Aufführung:    

mit Vierkantrohren aus der Serie DW, Studierende der UdK Berlin, Fachbereich Musical/Show
Begrüßung:     

Frank Michael Zeidler, Erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes
Gespräch:        

Dr. Burkhard Brunn, Soziologe, Nachlassverwalter, ehemaliger Lebensgefährte von Charlotte Posenenske mit Dr. Frederik Schikowski, Kunsthistoriker
Moderation: Judith Siegmund
Projekt:

kuratiert von Anita Stöhr Weber

 

Im Herbst 2014 wendet sich der Deutsche Künstlerbund Charlotte Posenenske zu, einer Künstlerin, die sich bereits vor fast fünfzig Jahren mit auch heute noch aktuellen Fragen der Demokratie, Mitbestimmung und Partizipation beschäftigt hat.

 

Die im Projektraum des Deutschen Künstlerbundes gezeigte Ausstellung greift eine Performance von Charlotte Posenenske auf, die sie 1967 für ihr variables Wellpappen-Bausystem »Vierkantrohre Serie DW« anlässlich der Ausstellung »Dies alles, Herzchen, wird einmal Dir gehören« in der Frankfurter Galerie Dorothea Loehr entwickelt hat. Charlotte Posenenske gestaltete damals für die Transformationen ihrer Arbeit ein Programm, eine Art Choreografie. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird es eine vergleichbare Aufführung geben: Studierende der Universität der Künste Berlin, Fachbereich Musical/Show werden mit den Vierkantrohren in eigener Regie agieren. Durch ihre Entscheidung, mit welchen und mit wie vielen Elementen sie bauen wollen, bestimmen sie Ausgangsmaterial und Ausgangssituation und somit, einem Bühnenbild gleich, die Gestaltung des Raumes. Mit dem fortlaufenden Auf- und Umbau machen sie Prozesse der Veränderbarkeit und des demokratischen Handelns sichtbar. In den ersten Tagen der Ausstellung wird aus dem Bühnenraum wieder ein Ausstellungsraum, indem das Wellpappen-Bausystem der primären Funktion des Raumes entsprechend umgebaut wird.

 

Der Ausstellungstitel »Aufhören; Weitermachen« spielt auch darauf an, dass Charlotte Posenenske 1968 ihre künstlerische Laufbahn beendete und mit dem Studium der Soziologie fortfuhr. Sie selbst bemerkte dazu im selben Jahr: »Es fällt mir schwer, mich damit abzufinden, dass Kunst nichts zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme beitragen kann.« (1) Im Deutschen Künstlerbund waren Posenenskes Arbeiten zuletzt in der Jahresausstellung 1968 in Nürnberg zu sehen. Mit einer reduzierten geometrischen Formensprache arbeitend, gehörte sie schon damals zu den interessantesten und eigenwilligsten Künstlerinnen in Deutschland. Auch 1969 bot der Deutsche Künstlerbund Posenenske an, sich an der Jahresausstellung in Hannover zu beteiligen. Doch die Einladung blieb unbeantwortet – Posenenske hatte sich endgültig von der Kunst ab- und der Sozialwissenschaft zugewandt.

 

Charlotte Posenenske wurde 1930 in Wiesbaden geboren. Sie studierte bei Willi Baumeister an der Stuttgarter Kunstakademie. Zwischen 1952-1955 war sie als Bühnenbildnerin an den Städtischen Bühnen in Lübeck und am Landestheater Darmstadt tätig. Als Malerin stellte sie 1959 zum ersten Mal ihre Bilder in einer Galerie in Kassel aus. Von 1965 bis 1968 entstand ihr plastisches Werk. 1968 beendete sie ihre Kunstproduktion, studierte Soziologie und arbeitete an sozialwissenschaftlichen Projekten. Nach ihrem frühen Tod 1985 wurden ihre Arbeiten in vielen Ausstellungen gezeigt, darunter 2007 auf der »documenta 12« in Kassel.

 

Text: Anita Stöhr Weber, Frederik Schikowski

 

(1) Charlotte Posenenske, «Statement», in: Art International (15. Mai 1968), S. 50.

Courtesy Nachlass Charlotte Posenenske, Frankfurt am Main und Mehdi Chouakri, Berlin

 

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag 14:00 h – 18:00 h

und nach Vereinbarung

sowie am Sonnabend, dem 20.09.2014, 11:00 h - 18:00 h

Charlotte Posenenske in der Kleinen Galerie, Schwenningen, 1967

© Estate Charlotte Posenenske