Deutscher Künstlerbund e.V.
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shining void. Installation. Baugrube, Chrom, Punktstrahler
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Timon Sukh
shining void (von innen). Installation. Baugrube, Chrom, Punktstrahler
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Timon Sukh
shining void (nachts). Installation. Baugrube, Chrom, Punktstrahler
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Timon Sukh
Biehler, Christine
lebt in Hanau

shining void, 2015-16
Chrom
250 x 250 x 300 cm

Installation

Wettbewerb
Art: Einstufig
Jahr: 2014
Auslober | Institution: Wandsbek e.V.
realisiert: ja

Standort
Wandsbeker Markt
öffentlicher Raum
Hamburg
Hamburg

Bauherr: Privat
Aufstellung: Fußgängerbereich

Beschreibung:
Der Blick über den Bauzaun: Eine drei Meter tiefe Baugrube mitten auf dem Bürgersteig ist samt Erde und den freigelegten Versorgungsleitungen und Kanalrohren bis zu den oberen Rand abschließenden Gehwegplatten vollkommen mit einer hochglänzenden Chromschicht ausgekleidet. Statt auf feuchte braune Erde blickt man auf silbern reflektierende Flächen, die das Umgebungslicht zurückstrahlen.

Es wurde lange gebaut in Wandsbek; gerade hat man die neu gestaltete Zone um den Wandsbeker Markt den Passanten übergeben. Die Menschen können nun auf dem »Boulevard« mit dem schönen neuen Steinpflaster flanieren und einkaufen. Nun das: Schon wieder eine Baustelle?

Der frisch verlegte Steinboden unter einer Straßenlaterne gleich hinter dem U-Bahn- Ausgang ist aufgebrochen. Hüfthohe rot-weiße Absperrzäune markieren eine neue Baugrube und behindern den schnellen Laufweg aus der U-Bahn-Station Wandsbek Markt.

Aus der Tiefe scheint es zu leuchten – neugierig tritt man näher.

Die Wände des Loches im Boden sind mit einer spiegelnden Hochglanzchromschicht ausgekleidet, die die Öffnung samt ihrer freigelegten Versorgungsleitungen und Kanalrohre abformt. Das Chrom wurde über alle Materialien - Erde, Stein, Betonrohre und Leitungen- gezogen und endet präzise an den Rändern der Gehwegplatten.

Statt auf feuchte braune Erde, blickt man drei Meter tief auf silbrig glänzenden Grund und auf Oberflächen, die das Tageslicht in seiner jeweiligen Farbe und den unmittelbaren Umraum reflektieren. Nachts erstrahlt die Grube durch einen zurückhaltend platzierten Punktstrahler in gleißendem Licht.

Die Aushöhlung ist in seiner futuristisch anmutenden Materialität etwas Fremdes, das sich gleichsam in den Stadtkörper eingefressen, bzw. eingeschmolzen hat. Gleichzeitig konserviert und veredelt das Silber, ähnlich wie in der Medizin bei der Behandlung von Entzündungen, diese »Verletzung« des soliden Grundes.

Die Installation formt ein edles »Highlight« in unspektakulärer Lage am Straßenrand, das unterhalb des Bodenniveaus erst entdeckt werden muss. Die Silbergrube erinnert so an einen märchenhaften Schatz und damit verbunden die Hoffnung der alten und neuen »Goldgräber« Wandsbeks auf Prosperität und Aufbruch in einem ehedem randständigen Viertel Hamburgs, das in weiten Teilen im 2. Weltkrieg zerstört worden war.

Demgegenüber suggeriert das Glanzstück aufgrund seines Formeninventars Funktionalität und lässt die Passanten über mögliche Zwecke rätseln. Warum wird hier in dieser Form gebaut? Was befindet sich unter unseren Füßen und wie ist es organisiert? Die Inszenierung regt Zaungespräche an: shining void wird zum Treff- und Haltepunkt für die Passanten: Ein Ort entsteht.