Deutscher Künstlerbund e.V.
05.12.1998 bis 06.12.1998
Künstler-Verein Malkasten, Düsseldorf
ORTLOS Das Kunstwerk sichert die Wirklichkeit
Das Kunstwerk eröffnet einen Ort, und vielleicht ist es der schönste, an dem die Idee der Kunst anzutreffen ist. Diesen Ort immer wieder neu zu begründen und seine Möglichkeiten stets aufs Neue wiederzuentdecken, ist das vorrangige Interesse des Künstlers. Darum steht das Kunstwerk im Mittelpunkt des Symposions.

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Vom Kunstwerk wird behauptet, es ware der primare und erschöpfende Ort der Kunst. In der Gegenwart des Artefaktes, in seinem Hier und Jetzt wird der Kunstgedanke und der Kunstwille als Ganzes herausgestellt und erschöpfend erfahrbar gemacht.

 

Wer anders als der Künstler wagt eine solche Behauptung? Ihr wird heute von vielen Seiten widersprochen. Die Verbindlichkeit des Kunstwerkes als genuiner Ort der Kunst ist nicht selbstverstandlich. Im Gegenteil wird allenthalben davon ausgegangen, daß der Kontext, in dem ein Werk erscheint, dieses nicht nur bestimmt, sondern mit begründet. Es wird sogar bereits der Nachweis geführt, daß der Diskurs, der über ein Werk geführt wird, der das Werk zum Anlaß nimmt, der eigentliche Ort sei, in dem der Kunstgedanke seine wahre Entfaltung fande. Dem künstlerischen Selbstverstandnis vom Kunstwerk als primaren Ort der Kunst stehen viele Interessen entgegen, die die Kunst in ihren sekundaren Orten, wie zum Beispiel der Ausstellung, der Vermarktung oder dem Kommentar besser aufgehoben sehen.

 

Ein zweiter Teil des Symposions will darum untersuchen, welchen Gefahrdungen, Versuchungen und außerkünstlerischen Interessen das Kunstwerk in seiner heute totalen Veröffentlichung und Instrumentalisierung ausgesetzt ist. Hatte die Vermarktung des Kunstwerkes dieses immer noch als einzigartiges und unverwechselbares im Sinn, wenn auch sehr spekulativ, so sind heute Interessen wirksam, die sich von der Incommensurabilitat des Werkes abgewendet haben und allein dessen Veröffentlichung als spektakulare und publizitatsversprechende Folie für ihre eigennützigen Projektionen verstehen. Sponsoring und Werkvertrage, wenn nicht sogar Steuersparmodelle gehören heute selbstverstandlich zum Geschaft mit der Kunst. Wer verteidigt heute in einer Gesellschaft, die bald alle Bereiche zur Verwertung freimacht, die Idee der Wertfreiheit der Kunst? Der Staat bzw. die Kommunen ziehen sich zunehmend aus dieser Verantwortung zurück. Ist die Kunst darum zum Freiwild erklart?

 

Hehre Kunst oder Hure Kunst? Im Anschluß an die Beschreibung der vielfaltigen Avancen, die dem Kunstwerk heute gemacht werden und die es oft nicht ausgeschlagen hat, sondern sogar angenommen hat, stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Kunstwerkes.

 

In einem dritten Teil soll darum der Frage nachgegangen werden, welcher Umgang mit dem Werk dieses noch bewahren kann. Sind die herkömmlichen Selbstverstandnisse noch die Weisen, ein Werk zu würdigen: Das Sammeln, sei es privat oder durch die öffentliche Hand. Gibt es noch eine legitime und sinnvolle Art der Bildbetrachtung und Bildbeschreibung? Ist die Architektur als Mutter der Künste in der Lage, dem Werk einen Platz zu schaffen oder feiert sie sich in den Museumsbauten nicht nur selber? Ist der Bezug auf das Nationale bzw. das Internationale oder gar auf die Welt als Weltkunst für das Werk identitatsstiftend? Welche Theorien versprechen eine Naherung an das Werk und nicht nur eine Verabsolutierung der eigenen Rhetorik? Also taugen Begriffe wie »das Neue« zur Begegnung mit einem Kunstwerk? Hat die postmoderne Wiederbelebung des Begriffes des Erhabenen das Werk als solches wirklich verstanden? Welchen Dienst erweisen die herkömmlichen Zuordnungen wie Malerei, Skulptur, Installation etc. der Erfahrung des Kunstwerkes? Erreichen Ideen wie die Freiheit, die Autonomie oder gar die Schönheit noch die Realitaten eines Werkes?

 

Solidaritat mit dem Kunstwerk, Skepsis und nüchterne Beschreibung sollen in diesem Symposion die Gegend des Werkes durchmessen. Künstler und am Werk Interessierte, also das Publikum, sollen erfahren, welche Möglichkeiten dieser ratselhafte Gegenstand, das Kunstwerk, heute noch hat.

 


Thomas Huber

Heinz-Günter Prager

Helmut Schweizer

Januar 1998

 

 

Programm


4. Dezember 1998

 

Begrüßung und Empfang durch Oberbürgermeisterin Marlies Smeets im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf

 

5. Dezember 1998

Künstler-Verein Malkasten, Düsseldorf


»Das Kunstwerk ist ein Ort und vielleicht der schönste, an dem die Idee der Kunst anzutreffen ist.«

 

Einführung

Prof. Thomas Huber, Mettmann

 

»Der Ort der Kunst ist ihr Ereignis.«

Referenten

Prof. Dr. Stephan Schmidt-Wulffen, Hamburg

Prof. Josef Paul Kleihues, Dülmen

Dr. Hans Fey, München

 

Diskussion

Prof. Dr. Beat Wyss, Stuttgart

Stephan Huber, München

Dr. Raimund Stecker, Düsseldorf

Prof. Klaus Wagner, Düsseldorf

 

Moderation

Gisela Marx, Köln

 

 

»Wer tragt die Verantwortung für die Orte der Kunst?«

Referenten

Ministerin Ilse Brusis, Düsseldorf

Prof. Christos Joachimides, Berlin

Bernd Kauffmann, Weimar

Prof. Hartwig Piepenbrock, Berlin

 

Diskussion

Ute Meta Bauer, Wien

Prof. Lothar Baumgarten, Düsseldorf

Gerhard Pfennig, Bonn

Prof. Heinz-Günter Prager, Köln

Dr. Sybille Ebert-Schifferer, Dresden

 

Moderation

Gerhart Rudolf Baum, Köln

 

Schlußwort

Prof. Michael Schoenholtz, Berlin

 

 

6. Dezember 1998

 

»Wer wohnt an den Orten der Kunst?«

Referenten

Dr. Franz Meyer, Zürich

Prof. Wolfgang Welsch, Bamberg

Dr. Johannes Meinhardt, Tübingen

Prof. Thomas Huber, Mettmann

 

Schlußwort

Prof. Michael Schoenholtz, Berlin