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wolkenfänger
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Reiner Maria Matysik
wolkenfänger
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Reiner Maria Matysik
wolkenfänger
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Reiner Maria Matysik
Matysik, Reiner Maria
lebt in Berlin

wolkenfänger, 2015, im Prozeß der Realisierung
Die 20 Meter hohe Plastik ist ein aus nichtrostenden Stahlrohren gebildetes Stabwerk in Form dreier Rotationshyperboloide. Der Turm teilt sich in 3 Segmente, die jeweils die Geometrie eines Hyperboloids einnehmen.
21 x 6 x 4,7 m

Skulptur / Außenskulptur

Wettbewerb
Art: Begrenzt-offener Wettbewerb - offenes Bewerberverfahren, Mehrstufig
Jahr: 2015
Auslober | Institution: Stadt Duisburg
realisiert: nein

Standort
Hauptbahnhof Duisburg, Bahnhofvorplatz
Verkehrsbau / Bahnhof / Flughafen
Mercatorstr.
47051 Duisburg
Nordrhein-Westfalen

Bauherr: Stadt
Architektur: -
Aufstellung: Platz

Beschreibung:
wolkenfänger

Kurzfassung Erläuterungsbericht

Duisburg ist ein bedeutender Standort der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie.
Schlüsselepochen der Geschichte Duisburgs: Industriekultur = Stahl und Gerhard Mercator = Loxodrome

Der Entwurf
Welches mit der Geschichte der Schwerindustrie verknüpfte Bildwerk ermöglicht einen Assoziationsraum für diese Stadt? Der Entwurf greift die Industriekultur auf und stellt Stahl und die konstruktive Leistungsfähigkeit dieses Werkstoffs als Material Duisburgs in den Mittelpunkt.

Der erste Blick des in Duisburg ankommenden wird auf einem 20 m hohen Turm aus Stahl fallen. Leicht steht die hochaufragende schlanke kegelförmige Gestalt auf dem Platz. Die Gitterstruktur ist transparent und ermöglicht Durchblicke. Sie besetzt den Raum nicht momumental, sondern umschreibt die Form wie eine Zeichnung.

Eine weiße Kumuluswolke hat sich in dem Gestell verfangen. Als poetisches Moment umhüllt sie die logisch, geometrische Struktur. Die Wolke ist aus dem Landschaftlichen herausgelöst, führt ein Eigenleben. Sie wirft ihren Wolkenschatten auf den Platz. Für Duisburger sind Wolken auch die künstlichen Wolken der Kokereien wie die 2014 fertig gestellte Kokerei der Hüttenwerke Krupp Mannesmann.

Der historische Rahmen
Der Turm bezieht sich auf zwei historische Modelle: die Rohrtürme der Gebrüder Mannesmann und die hyperbloischen Stabwerke des russischen Ingenieurs Wladimir G. Suchow. Suchov realisiert diese neuartige Turmkonstruktion auf der Basis eines Entwurfs von Mannesmann.
Der gitterförmige Turm entsteht als Tragwerk aus sich überkreuzenden geradlinigen Rohren, die auf den Leitlinien des Rotationskörpers verlaufen.

Der erste realisierte Bau eines hyperbolischen Gitterturmes geht auf Suchov zurück. Die Grundlagen dafür bildet nicht nur das Mannesmann-Röhren-Verfahren, sondern auch Konstruktionsskizzen von Mannesmann. Die Skulptur Wolkenfänger wird die in den Zeichnungen gefundene Konstruktionsweise am Ort seiner Planung erstmalig realisieren.

Merctors Erfindung erlaubt es den Seeleute bei geradliniger Navigation über eine tatsächliche Kurvenbahn zum Ziel zu gelangen. Bei der Skulptur werden die Senkrechten des Zylinders geneigt, so dass eine hyperbelartige Krümmung aus Geraden entsteht.

Der Entwurf verbindet zwei wichtige Momente auf dem Weg in die Moderne, die beide einen historischen Bezug zu Duisburg haben. Mercators mathematische Einsichten. Die Skulptur lässt sich als räumliche Antwort auf Mercators lineare Projektion verstehen. Zudem arbeitet sie mit einem Material und folgt einem Entwurf, der wesentlich auf die im Ruhrgebiet ansässige Schwerindustrie und ihre Pionierleistungen zurückgeht.
Der Wolkenfänger begrüßt ausgreifend und selbstbewust die Reisenden auf dem Weg in die Stadt.