Deutscher Künstlerbund e.V.
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tangle, Pflegeheim Haus »Mitanand«, Nachtansicht
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Heike Weber
tangle, Pflegeheim Haus »Mitanand«, Tagansicht, Installation
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Heike Weber
Andacht, Andachtsraum, Pflegeheim Haus »Mitanand«
© VG Bild-Kunst, Bonn
Fotograf/in: Heike Weber
Weber, Heike
lebt in Köln

Tangle und Andacht, 2017
zweiteilige Arbeit:
Außen: Aluminium-Laserschnitt, pulverbeschichtet, LED hinterleuchtet
Innen: Blattgold auf Glas
Außen: ca. 450 cm im Durchmesser, Innen: 31070 x 7573,80 mm

Installation / Boden-, Wand- und Deckengestaltung

Wettbewerb
Art: Direktauftrag
Jahr: 2017
Auslober | Institution: Kuratorin: Judith Reichart, Bregenz, AT
realisiert: ja

Standort
Pflegeheim Haus "Mitanand"
Höchst, Fussach, Vorarlberg, AT
Öffentliche Einrichtung
Österreich

Bauherr: Gemeinde
Architektur: Dorner/ Matt Architekten, Bregenz, AT
Aufstellung: Fassade und Andachtsraum im Pflegeheim

Beschreibung:
Realisiert wurden zwei sich aufeinander beziehende künstlerische Interventionen für das Pflegeheim „Mitanand“ in Höchst/ Fußach, Vorarlberg, AT.

Durch die Beschäftigung mit dem Haus, seiner Funktion und dem Arial, das mehrere Institutionen beherbergt – wie der Arbeitstitel »Generationenpark« schon impliziert – war mir wichtig, in einer sinnlich assoziativen Form das »Miteinander« zu thematisieren. Eine Schule, betreutes Wohnen (noch im Bau) und das Pflegeheim bilden den Kampus.

Beide Interventionen gehen von den gleichen formalen Grundstrukturen aus und bilden nur in ihrer Anordnung und in dem gewählten Material eine andere Form.

Formal ist die Arbeit abstrakt, aber wie auch in anderen Arbeiten gehe ich von einem gelenkten Zufall aus und benutze Alltagsgegenstände zur Formfindung. In diesem Fall habe ich Gummiringe gescannt, skaliert und exakt für diesen Ort komponiert. Der Gummiring auch als Symbol des Zusammenhaltens. Der Ring in seiner Überlagerung als Zusammenschluss – als Bildung einer Einheit – als Gefüge – Schnittmengen als Symbol der Kommunikation.


tangle

Für die Fassade habe ich ein ca. 4,5 m im Durchmesser großes hinterleuchtetes Relief entwickelt.

Im Gegensatz zu der offenen, sich schwebend überlagernd angelegten Intarsie für den Andachtsraum, überschneiden sich die Ringe in dem »tangle« (engl. Verschlingung) kompakt zu einem Knäuel – zu einer geschlossen, aber organisch wirkenden Einheit und wird als Symbol und somit auch als Logo für das Pflegeheim fungieren.

Der »tangle« ist aus 6 mm Aluminium gelasert und rubinrot pulverbeschichtet. Eine warme und positiv wirkende Farbe, aber dennoch mit Signalwirkung.

Die Arbeit ist mit ca. 10 cm Abstand zur Fassade montiert und ist LED-hinterleuchtet.

Tagsüber wird durch das wechselnde Tageslicht ein Schattenspiel auf der Wand erzeugt. Bei Dämmerung oder sehr dunklen Tagen, schaltet sich die LED-Beleuchtung automatisch ein. Dabei tritt die Farbe des »tangles« zurück und wird von einer leuchtenden Korona hinterstrahlt.
Korona lateinisch bedeutet Krone, Kranz, Hof und Lichterscheinung. Die nächtliche Arbeit könnte auch an eine Sonnenkorona erinnern. Der Abstand zur Wand ist so gewählt, dass der »tangle« optisch vor der Wand schwebt und genau umgekehrt zur Schattenwirkung am Tage erscheint.

Mich interessiert die wechselnde Erscheinung der Arbeit, und somit ist diese auch in Bewegung. Tagsüber ist der Schatten subtiler, aber dafür die Wahrnehmung der Farbe und das Oberflächenmaterial intensiver. Abends bekommt die Arbeit eine entmaterialisierte Wirkung. Die Arbeit wirkt ephemer.


Andacht

Die Aufgabe bestand darin, dem zum Hof hin verglasten Andachtsraum einen Sichtschutz und eine Aura zu geben.
So habe ich mich für eine Vergoldung auf der gesamten Fensterfront entschieden.

In Anbetracht der Funktion des Raumes versinnbildlicht Gold die Weisheit Gottes, Harmonie und Sonne, Aktivität und Zukunft und geht zudem eine angenehme Symbiose mit der Holzvertäfelung der Wände ein, so dass der Raum zu einer Einheit wird. Man könnte auch abstrakt eine »begehbare Ikone« assoziieren.

Auf die Fenster wurden amorphe, organisch wirkende Ringe aus Blattgold aufgelegt. Die Vergoldung erfordert viel Akribie und Konzentration, denn die Blättchen werden Stück für Stück per Hand aufgelegt. Zeit und Langsamkeit sind mir dabei inhaltlich wichtig. Das »Hier und Jetzt« wird thematisiert.

Die Ringe bilden Schnittmengen und Überlagerungen, suggerieren durch ihre unterschiedlichen Größen und Strichstärken Räumlichkeit und scheinen sich wie Luftblasen zu bewegen. Die tänzelnden, scheinbar nach oben zu schwebenden Kreise kann man assoziativ als das dem Himmel Zugewandte lesen.

Das Blattgold liegt zwar flach auf dem Glas, aber durch das wechselnde Tageslicht und die Bewegung der Besucher im Raum wird es reflektiert und bekommt dadurch eine ungeheure Lebendigkeit. Unter anderem auch durch die schöne, sich verändernde Schattenbildung an den holzvertäfelten Wänden.

Die Arbeit scheint sich unmerklich und sinnlich zu bewegen und der Besucher kann sich kontemplativ darin verlieren. Mich interessiert ihre wechselnde Erscheinung, die Bewegung in ihr. Durch die Reflexion des Goldes bekommt sie eine entmaterialisierte Wirkung und wirkt ephemer und leicht. Die Kreise scheinen positiv nach oben zu schweben, bedingt durch die Anordnung, das Material und das wechselnde Tageslicht.