Eröffnung
Donnerstag, 19. März 2026 | 18 Uhr
Begrüßung
Katrin Schmidbauer, Vorstand Deutscher Künstlerbund
Cerstin-Ullrike Richter-Kotowski, Staatssekretärin für Kultur der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, CDU
Einführung
Dr. Isa Bickmann, Kuratorin & Kunsthistorikerin, Frankfurt a.M.
Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag | 14 – 18 Uhr
Gallery Weekend
Freitag, 01. Mai 2026 | 12 – 21 Uhr
Samstag, 02. Mai 2026 | 12 – 19 Uhr
Sonntag, 03. Mai 2026 | 12 – 17 Uhr
Über die Ausstellung
Mit der Ausstellung »ATLANTINNEN, deep dive. measuring. spirit.« schließt der Deutsche Künstlerbund
sein Jahresthema »Gleichstellung und Sichtbarkeit von bildenden Künstlerinnen« ab, das er anlässlich seines 75-jährigen Jubiläums seit der Wiedergründung im Jahr 1950 in den Jahren 2025 und 2026 besonders in den Fokus gestellt hat.
Im Ausstellungsraum des Deutschen Künstlerbundes in Berlin wird das »tiefe Eintauchen« in die Welt auf physischer wie geistiger Ebene thematisiert. Dieses komplexe Thema verbindet die Werke der drei Künstlerinnen und bezieht sich zugleich auf den Ort der Ausstellung, sichtbar gemacht durch die im Titel genannten Koordinaten (52°/13°). Die ausgewählten Arbeiten greifen die Wissenschaft der Kartographie sowie die Figur des Atlas auf und erschließen auf eigene Weise topografische, philosophische und gesellschaftskritische Perspektiven. So entsteht ein facettenreiches Zusammenspiel von Ort, Thema und künstlerischer Praxis.
Elvira Lantenhammer, Monika Linhard und Zuzanna Skiba nähern sich dem bildnerischen Sujet »Landschaft« über beobachtende, imaginäre und phänomenologische Zugänge und setzen sich dabei mit der umfassenden Betrachtung der Welt auseinander. Dieser intensive Austausch bildet die Grundlage ihrer individuellen künstlerischen Prozesse. Ziel ist es, sich dem stetig wandelnden, ganzheitlichen Weltbegriff sowohl philosophisch als auch durch ein allozentrisches Bezugssystem künstlerisch anzunähern.
Mit dem Titel »Atlantinnen« beziehen sich die Künstlerinnen humorvoll auf die mythologische Figur des Titanen Atlas, der das Himmelsgewölbe und die Erde kraftvoll trägt und zugleich als Globenträger sowie als tektonische Stützfigur in der Architektur erscheint. Seit dem 16. Jahrhundert dient Atlas zudem als männlicher Namensgeber für kartographische Werke.
Doch die Frage bleibt: Wer trug und trägt die Welt?
Diese Fragestellung greift die Performance »DIE ATLANTINNEN« auf. In direkter Bezugnahme auf die Atlas-Skulptur im Berliner Tiergarten, nahe der Siegessäule, interagieren die Künstlerinnen mit einem Augenzwinkern mit dem Titanen. Symbolisch fangen sie die Weltkugel mit ihren Händen auf – jene Last, die Atlas auf seinen Schultern zu stemmen versucht.
Ziel der Künstlerinnen ist es, diese gedanklichen Felder immer wieder neu und künstlerisch zu erschließen und sich damit bewusst für die Sichtbarkeit von Künstlerinnen einzusetzen. In diesem Zusammenhang verstehen sie die Welt als etwas, das nur gemeinsam bewegt und erhalten werden kann. Den offenen Diskurs darüber – als fruchtbare Auseinandersetzung und existenzielles Anliegen – eröffnen die drei Künstlerinnen mit ihrer Ausstellung.
Mit »ATLANTINNEN, deep dive. measuring. spirit.« präsentiert das Trio Arbeiten, die über gewohnte Grenzen hinausdenken und den Blick weiten. Die Ausstellung vereint interdisziplinäre Positionen aus Video, Skulptur, Malerei und Zeichnung und wird von einem thematisch begleitenden Rahmenprogramm ergänzt.
In der Arbeit »Kakemono – Japanese Siteplan« greift
Elvira Lantenhammer die Form der japanischen Bilderrolle auf. Entstanden ist eine 12 Meter lange und 98 cm breite Malerei auf japanischem Shoji-Papier, die in Fukuoka und Otsu (Japan) realisiert wurde. Ergänzend werden kleinere Arbeiten in aufgerollter Form präsentiert. Die leuchtenden Farben, aus Pigmenten mit Acryl hergestellt, trägt die Künstlerin mit einem breiten Flachpinsel auf. Jede Pinselbewegung ist dabei eng mit dem Atem verbunden; der Pinselduktus bleibt sichtbar. Additiv aneinandergesetzte Farbflächen und eine intuitive Farbwahl prägen die Komposition, wobei Vertikale und Horizontale bewusst betont sind.
Spürbar ist der Einfluss von Wabi-Sabi, des japanischen ästhetischen und philosophischen Konzepts, dass Schönheit in der Einfachheit, Vergänglichkeit und Unvollkommenheit liegt. Zugleich markiert Japan für Elvira Lantenhammer die Entdeckung der Leuchtfarben. Ausgehend von ihrer Ausbildung in der Restaurierung, die von einer traditionellen Farbpalette geprägt ist, eröffnete der Einsatz von Leuchtpigmenten neue Ausdrucks-möglichkeiten. Erst sie ermöglichen jenes intensive Strahlen, mit dem die Künstlerin die Fremdheit, die Eindrücke und das radikal Neue ihrer Japan-Erfahrung sichtbar macht.
In beiden präsentierten Arbeiten verwendet
Monika Linhard Aluminiumlamellen als zentrales künstlerisches Material. Bereits seit den frühen 1990er-Jahren arbeitet die Bildhauerin mit diesem Material – zunächst in Kunststoffvarianten, später mit Aluminium.
Die Kunsthistorikerin Nadine Hahn schreibt über die beiden Werke Folgendes: »In »Inner Language« unterzieht Linhard das Material einem Härtetest: Zwei Zylinder, in denen die Lamellen verkeilt und verschraubt sind, setzen das Aluminium unter Druck und entfalten eine enorme Spannkraft. Für den Betrachter entsteht eine besondere Spannung: Durch die alltägliche Vertrautheit mit dem Material weiß er intuitiv, dass sich die gespeicherte Energie bereits bei leichter Berührung entlädt und jede einzelne Lamelle wie eine Druckfeder aus den Zylindern springt. Im Gegensatz zu dieser aufgeladenen Starrheit wirkt die Installation »Double Square« spielerisch leicht: Hier hängen die Lamellen frei und bewegen sich sanft im kleinsten Luftzug. Ein auf die Installation projiziertes Video zeigt die Arbeit an einem Waldrand, gespannt zwischen zwei mächtigen Kiefern. Begleitet wird die Szene von einer Audiosequenz, die das Klappern der Lamellen im Wind, gelegentliche Schreie eines Raubvogels und die akustische Atmosphäre des Waldrands zu einem feinen, vielschichtigen Klangteppich verbindet.
In seinem Text »Das Auge denkt weiter«, zu den »mentalen Landschaften« von
Zuzanna Skiba beschreibt Stephan von Wiese die abstrakte Landschaftsmalerei als eine künstlerische Auseinandersetzung mit den unsichtbar wirkenden Kräften der Natur. Die vertrauten Naturformen werden umgestaltet, ausgeschaltet, eine freie Formenwelt als Blick ins Innere der Schöpfung tritt an ihre Stelle. Eine Art zweite Schöpfungs-geschichte wurde jeweils mit Imaginationskraft in Gang gesetzt.
Skiba's Landschaftsmalerei widmet sich den inneren Energien, den Prozessen von Wachsen und Vergehen, den geheimnisvollen Magnetismen. Dieser Blick ins Innere der Schöpfung, diese Evokation unsichtbarer Kräfte und Energien, diese künstlerische Formulierung von Mutations- und Transformationsprozessen ist ein Kernthema im Werk von Zuzanna Skiba. Direkte Vorbilder in der Kunstgeschichte findet man aber nicht, es sind eher die philosophischen Gedankenstränge, die verbinden. Das Werk steht autonom doch eher für sich und visualisiert Denkprozesse, die nicht vorformuliert, vorprogrammiert sind, sondern die dem eigenen Gesetz, der »inneren Notwendigkeit« folgen. Die Bildentstehung ist ein langsamer Wachstumsprozess.
RahmenprogrammFührung durch die Künstlerinnen Elvira Lantenhammer, Monika Linhard, Zuzanna Skiba
Freitag, 20. März 2026 | 16:00 Uhr
Gallery WeekendJeweils um 15 Uhr Führung durch die Ausstellung in Anwesenheit der Künstlerinnen Elvira Lantenhammer, Monika Linhard, Zuzanna Skiba
Freitag, 01. Mai 2026 | 12 – 21 Uhr
Samstag, 02. Mai 2026 | 12 – 19 Uhr
Sonntag, 03. Mai 2026 | 12 – 17 Uhr
KünstlerinnengesprächDienstag, 16. Juni 2026 | 18 Uhr
THEMA: ATLANTINNEN, deep dive. measuring. spirit.
Moderation: Dr. Almut Hüfler
im Gespräch mit Elvira Lantenhammer, Monika Linhard, Zuzanna Skiba über das tiefe Eintauchen in die Landschaft, das gemeinsame Ausstellen als Erweiterung des eigenen Horizonts und die Herausforderungen, der Welt immer wieder aufs Neue künstlerisch zu begegnen.
Finissage & Präsentation der SondereditionDonnerstag, 2. Juli 2026 | 18 Uhr
zum Thema »ATLANTINNEN & DAS (ER)HALTEN DER WELT«
Die Künstlerinnen sind anwesend.
Der Besuch der Veranstaltung ist kostenfrei.
Finanziert mit Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin