15.05.2007 bis 13.07.2007
Ausstellung im Projektraum

Thomas Grochowiak »Affinitäten: Malerei - Musik«

»Affinitäten« entstehen im gesamten Werk von Thomas Grochowiak zwischen Malerei und Musik. Musik ist die Triebkraft für sein bildnerisches Gestalten. Grochowiak versucht allerdings nicht, Musik in Malerei unmittelbar zu übersetzen. Sie dient ihm vielmehr als Anregung zum Bild. In seiner Berliner Ausstellung zeigt er einige der seltenen Werke aus seinem Frühwerk sowie neuere Arbeiten, die seit 1999 entstanden sind.

Affinitäten – im philosophischen Sinne Wesensverwandtschaften, im chemischen Sinne Triebkräfte, im Rechtswesen Schwägerschaften – entstehen im gesamten Werk von Thomas Grochowiak zwischen Malerei und Musik. Musik ist Triebkraft für bildnerisches Gestalten. Zwischen beiden Kunstformen besteht eine im weitesten Sinne verwandtschaftliche Beziehung. Damit steht Grochowiak in der langen künstlerischen Tradition der Synästhesie in der bildenden Kunst, der Verknüpfung zweier unterschiedlicher Sinneswahrnehmungen - des Sehens und des Hörens – zu einem Kunstwerk. Besonders bekannte Ausdrucksformen in dieser Tradition sind das von Skrjabin erstellte Farbenklavier und Kandinskys Versuche, akustische Reize bestimmten Farben zuzuordnen. Synästhetische Kreativität setzt eine bestimmte Art von Sensibilität voraus. Die Wirkung auf den Betrachter der entstandenen Kunstwerke ist vielfältig. Musik entfaltet sich in der Zeit; die Malerei fixiert Musik in ein dem Auge zugängliches statisches Objekt, das die Klangfülle erahnen lässt und zugleich eine neue Komposition darstellt. Grochowiak versucht nicht, Musik in Malerei unmittelbar zu übersetzen. Sie dient ihm vielmehr als Anregung zum Bild.
 
Im gesamten Werk von Thomas Grochowiak nimmt diese Affinität zwischen Malerei und Musik eine zentrale Rolle ein. Bereits in den frühen 30er Jahren entstanden Aquarelle, die aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk Mozarts entstanden sind. 1932 setzt Grochowiak frei geformte Farbflächen nebeneinander, die von heftigen Tuschfeder-Linien umkreist und in Bewegung gesetzt zu werden scheinen. Die vom Format her unscheinbaren Blätter leben ganz aus dem Klang ihrer kräftigen Farbigkeit und der fulminanten Bewegung der abstrakten Formen und Linien (Etüde zu »Furioso, 1932«) wie Ingeborg Ströle in ihrem Aufsatz »Der Maler Grochowiak« (in: Thomas Grochowiak: Retrospektive zum 85. Geburtstag, Rastatt 2000) treffend beobachtet.Bis heute sind eine Fülle seiner Bilder durch musikalische Inspiration entstanden. Besonders Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, Claude Debussy, Antonin Dvorak oder auch Friedrich Daniel Rudolph Kuhlau regten seine künstlerische Phantasie an. Kuhlau z. B. widmete er 2000/2001 einen Zyklus. In »Etüde zu Kuhlau. Flötenquintett, op.51, adagio ma non tanto, 2000« greift Grochowiak die musikalische Satzbezeichnung auf. Sie drückt für ihn den im Bild entstandenen (Farb-)Klang und die Stimmung aus. Er lässt sich von der Musik leiten und versetzt die Farbfelder in ein entsprechendes Spannungsverhältnis. Fast scheinen sich die kalligraphischen schwarzen Linienbündel, ein häufiges Element seiner Werke, mit den farbigen Flächen zu Akkorden zu verknüpfen.
 
Thomas Grochowiak wurde 1914 in Recklinghausen geboren. Seit vielen Jahrzehnten ist er mit dem Deutschen Künstlerbund eng verbunden und prägte aktiv seine Geschicke: 1952 nahm er zum ersten Mal an einer Jahresausstellung teil, in den folgenden Jahren war er regelmäßig dort vertreten. 1964 wurde er in den geschäftsführenden Vorstand des Deutschen Künstlerbundes gewählt, von 1979–85 war er Erster Vorsitzender des Deutschen Künstlerbundes. 1987 wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.
 
Grochowiak ist Mitgründer der Gruppe »junger westen«. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagierte er sich in vielfältigen kulturellen Bereichen. So war er Museumsdirektor in Recklinghausen, Ausstellungsmacher z.B. bei den Ruhrfestspielen und Kommissar deutscher Kunst bei Bi- und Triennalen in Paris, Zagreb, Bratislawa, und Neu Delhi. Zu seinen zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland siehe: www.grochowiak.com

Etüde zu »Furioso«, 1932

Aquarell und Feder, 17,8 x 14,5 cm