Deutscher Künstlerbund e.V.


10.05.2019 bis 21.06.2019
Ausstellung im Projektraum

Vorwand
Idee und Konzeption: Susanne Hegmann

Eröffnung:
Donnerstag, 09.05.2019 um 19:00 Uhr
Begrüßung: Dr. Angelika Richter, Susanne Hegmann

Die in der Ausstellung »Vorwand« gezeigten Positionen stellen auf so humorvolle wie ironische Weise vorherrschende Konventionen von Bild und Skulptur und ihrer räumlichen Wirkung in Frage. Ihr Spiel mit Überraschungsmomenten unterläuft dabei herkömmliche Sehgewohnheiten.

 

Als reliefartige Arbeit eröffnet »No Chair« von Michael Reiter einen flexiblen Raum zwischen Malerei und Plastik. Das bewegliche, aus Sperrholz und farbintensiven Nesselstoff gefertigte Objekt zielt auf perzeptive Irritation: In seiner Erscheinung an einen Stuhl erinnernd, handelt es sich lediglich um monochrome, in den Raum geklappte Rechtecke. Leinwand und Rahmen sind als dreidimensionaler Bild-Raum konzipiert.

 

Bei der Inszenierung von begehbaren Raumbildern und alltäglichen Materialien widmet Gertrud Neuhaus dem Fenster und Vorhangstoffen als trennende, zugleich transparente Elemente zwischen öffentlicher und privater Sphäre besondere Aufmerksamkeit. Der für den Projektraum des Deutschen Künstlerbund konzipierte Vorhang verweigert durch die Art seiner Hängung jegliche Funktion. Mit einem aufgesprühten Muster behauptet er sich vielmehr als ein in den Raum hinein gefalteter Bildträger.

 

Jenseits klassischer Bildformate bewegt sich auch Miriam Jonas mit »Weißes Regal«, das entgegen des sachlich wirkenden Titels jede praktische Bestimmung torpediert. In einem fliesenförmigen Raster an der Wand installierte rechteckige Kästen enthalten 400 blütenweiße, frottierte und sorgsam übereinander gestapelte Handtücher, die sich an eine Milchglasscheibe anschmiegen. Ein mehrteiliges Bild aus der Ferne zeigt sich beim Nähertreten als reliefartige Wandskulptur, die sich im Raum materialisiert; ein flächiges weißes Rauschen demonstriert mit zunehmender Nähe eine haptische, aber nicht greifbare Stofflichkeit.

 

Hyun-Gyoung Kim reduziert Bildhauerei auf minimalistische Grundformen. Gepaart mit der detaillierten Herausarbeitung von Einzelheiten, findet sich ihr vornehmliches Wirkungsfeld in der satirischen Darstellung von Tierkörpern. So entpuppt sich das dekorative Wandrelief mit leicht ausbeulender Oberfläche und dem intendiert irreführenden Titel »Hängender Teppich« bei näherer Betrachtung als das zu lang geratene Fell eines Moschusochsen.

 

Die vielschichtigen Papierschnitte von Dorthe Goeden demonstrieren als großformatige Wandarbeiten die Wechselwirkung von Licht und Schatten, von Immaterialität und filigraner Substanz. Raster und Strukturen changieren zwischen Abstraktion und Imagination.

 

Thorsten Goldbergs »Fräulein Eislingen« ruft performative und partizipative Aspekte auf. Linear auf dem Boden arrangierte Blumenvasen, von Freund*innen und Mitgliedern des Deutschen Künstlerbundes gestiftet, werden täglich mit einem vom Künstler ausgewählten Strauß bestückt. Die Vermehrung der Blumen sowie der Prozess des Welkens und Vergehens setzen auf die kontinuierliche Veränderbarkeit der Vasenskulptur und somit auf ihre zeitliche Dimension, zugleich wandelt sich das Blumenarrangement in ein räumlich-plastisch erlebbares Stillleben.



Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 14:00 h – 18:00 h
und nach Vereinbarung

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